Über die Faszination der menschlichen Stimme
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joseph Sopko, Emeritus für Oto-Rhino-Laryngologie, speziell Phoniatrie, Universität Basel
Einführung: Prof. Dr. Axel Christoph Gampp
Die menschliche Stimme ist mehr als nur eine physiologische Funktion des menschlichen Körpers. Sie ist das vollkommene Instrument der Kommunikation. Die im Stimmklang enthaltene Information beinhaltet nicht nur den sprachlichen Inhalt des Gesagten, sondern auch die musischen, prosodischen Elemente, wie Melodie, Betonung und Tempo. Es können aus der Stimme auch die Stimmung, Emotionen, Sympathie usw. erkannt werden. Diese Komplexität wird auch schon in linguistischen Begriffen, wie PERSON (per sonum – durch Klang) und STIMMUNG – STIMME angedeutet. Die artifizielle Computerstimme vermisst diese speziell menschlichen Charakteristika.
Die Erforschung der menschlichen Stimme berührt sowohl Medizin als auch Musik. Die fachliche Zusammenarbeit beider Disziplinen erweitert die gegenseitigen Erkenntnisse. Die Möglichkeiten der Computerstimme und des Klonens der Stimme werden diskutiert.
Materialität/en von KI
Prof. Dr. Bianca Prietl, Zentrum Gender Studies, Universität Basel
Einführung: PD Dr. Tamara Diesch-Furlanetto
Basierend auf digitalen Daten, unsichtbaren Rechenoperationen und Algorithmen scheint Künstliche Intelligenz (KI) ein vornehmlich immaterielles Phänomen zu sein. Ein Blick auf die Materialität/en von KI macht hingegen die komplexen Verstrickungen von Künstlicher Intelligenz mit gesellschaftlichen Arbeitsverhältnissen, sozialen Normen und natürlichen Ressourcen sichtbar und sensibilisiert so für die gesellschaftlichen Voraussetzungen und Kosten der Entwicklung und fortwährenden Nutzung von KI.
Welcher Realismus? Formen fotografischer Evidenz in Zeiten KI-generierter Bilder
Prof. Dr. Estelle Blaschke, Professur für Fotografische Medien im Digitalen Zeitalter, Seminar für Medienwissenschaften, Universität Basel
Einführung: Prof. Dr. Felix Hafner
Als erstes maschinelles Verfahren der Bildherstellung prägte die Fotografie seit dem 19. Jahrhundert die Vorstellung von (wissenschaftlicher) Objektivität und begründete den Evidenzcharakter von Bildern als visuelle Information, Dokument, Beweis, oder zeitgeschichtliche Quelle. Mit der KI-Bildgenerierung aber, die Fotografien als Trainingsdaten nutzt und als KI-gestützte Bildoptimierung in den fotografischen Prozess eingebettet ist, scheinen sich diese etablierten Konzepte und Theorien aufzulösen. Was also heisst Realismus heute angesichts des Überflusses an fotorealistischen KI-Bildern? Wie verändern sich die Wahrnehmung von Welt und die Wissensgenerierung über Bilder?
Podiumsgespräch mit
Clara O’Campo, Schriftstellerin
Martin R. Dean, Schriftsteller
Prof. Dr. Michel Roth, Komponist
Moderation: Prof. Dr. Axel Christoph Gampp
Welche Bedeutung hat KI für Kulturschaffende? Wo ist sie hilfreich, wo setzt das menschliche Urteilsvermögen ein? Wie ist es um die ästhetische Qualität unter dem Einfluss von KI bestellt? Diese und ähnliche Fragen stehen im Zentrum des Podiumsgespräches.

Zur Einführung
Ein interdisziplinärer Versuch
Pate für den neuen zweijährigen Zyklus ist ein Dostojewski-Zitat. In «Schuld und Sühne» sagt Raskonikow (III,3): «Er ist ein kluger Mensch, aber um klug vorzugehen, dazu ist Verstand allein zu wenig». Gelegentlich wird der zweite Teil des Satzes auch übersetzt mit: «Es braucht mehr als Intelligenz, um intelligent zu handeln». Daraus haben wir den Titel des gesamten Zyklus abgeleitet: «Mehr als Intelligenz».
Es geht nach unserer Vorstellung um das komplexe Verhältnis von menschlicher Intelligenz zu KI, aber auch zu anderen Formen von Intelligenz, wie sie neuerdings von den Biolog*innen, von den Zoolog*innen oder generell von den Anthropolog*innen nachgewiesen wird. Im Kern geht es auch darum, welche Bereiche eigentlich auch in Zukunft nicht mit KI abgedeckt werden können. Diesem Thema möchten wir die Veranstaltung widmen.
Für anwendungsorientierte Wissenschaften wie Medizin oder Jurisprudenz gilt: Auch bei medizinischen
Behandlungen und rechtlichen Konfliktlösungen bedarf es mehr als Intelligenz.
Im Falle der Geisteswissenschaften wäre nachzuzeichnen, wie Formen spezifischer Intelligenz (malerischer Intelligenz, poetischer Intelligenz etc.) sich von Formen von KI unterscheiden und niemals durch sie vollkommen ersetzt werden können.
