Willkommen

Die Aeneas-Silvius-Stiftung bezweckt seit 1960 die Organisation und Durchführung einer jährlich einmal stattfindenden öffentlichen Vorlesung innerhalb der Universität Basel durch eine hervorragende Wissenschaftlerin bzw. einen hervorragenden Wissenschaftler und deren Publikation in angemessener Form. Die Vorlesungen sollen Themen aus dem Spannungsfeld zwischen Religion, Ethik, Wissenschaft, Gesellschaft, Kirche und der Universität behandeln. Die Aeneas-Silvius-Stiftung will den Impuls in Lehre und Forschung der Universität Basel verstärken. Sie organisiert daher seit 2011 zusätzlich zur Vorlesung eine interdisziplinäre Ringvorlesung an der Universität Basel sowie für Lehrende und Studierende ein interdisziplinäres Masterseminar zum Jahresthema.

62. Aeneas-Silvius-Vorlesung

Dienstag, den 3. November 2026, 18.15 Uhr
Kollegienhaus der Universität Basel, Petersplatz 1, Aula

Superbia generis humani
Gegen den Anthropozentrismus

Prof. Dr. Michael Hampe, emeritierter Professor für theoretische Philosophie der ETH Zürich,
Erskine Fellow an der Universität Canterbury, in Christchurch Neuseeland,
Mercator Fellow an der Universität Bremen in Deutschland

Begrüssung: Prof. Dr. Thomas Grob, Vizerektor für Lehre an der Universität Basel

Spinoza hat in seiner «Ethik» von 1677 den Menschen als Teil der Natur beschrieben. Wir stehen ihr nicht gegenüber, weder als Betrachter noch als «Nutzer». Diese Sicht der menschlichen Stellung in der Welt hat sich nicht durchgesetzt. Aber sie hat Wirkungen in der so genannten «Tiefenökologie» bei dem Norwegischen Philosophen Arne Naess gezeitigt. Der Vortrag geht den Konsequenzen nach, die die Umstellung eines menschlichen Selbstverständnisses auf das Spinozistische hätte: Von der hochmütigen Sicht eines vermeintlichen animal rationale als «Krone der Schöpfung» zu der demütigen als eines abhängigen Wesens, dessen Lebenszeit als Individuum und als Gattung begrenzt ist und das beides nicht recht versteht oder, wenn es diese Tatsachen der Endlichkeit doch ein wenig zu verstehen scheint, nicht in der Lage ist, sich mit ihnen abzufinden.

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Ringvorlesung 2027 – «Humilitas»

Bescheidenheit statt «Glanz und Gloria»?

Alle Vorlesungen finden jeweils dienstags um 18.15 Uhr statt. Im Anschluss an die Vorlesung wird bei einem Apéro die Möglichkeit für einen vertiefenden Austausch geboten.

  1. Dienstag, den 2. März 2027
    Prof. Dr. Sonja Ammann, Professorin für Altes Testament, Universität Basel
    Einführung: Dr. Annette Meyer López
  2. Dienstag, den 13. April 2027
    Prof. Dr. Hubert Thüring, Professor für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Universität Basel
    Einführung: Prof. Dr. Hans-Florian Zeilhofer
  3. Dienstag, den 18. Mai 2027
    Prof. Dr. Matthias Leanza, Professor für Soziologie, Universität Basel
    Einführung: Prof. Dr. Axel Christoph Gampp
  4. Dienstag, den 1. Juni 2027
    Prof. Dr. Daniela Thurnherr Keller, Titularprofessorin für Öffentliches Recht, Universität Basel; Bundesrichterin
    Einführung: Prof. Dr. Felix Hafner

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Seminar 2027 – «Humilitas»

Bescheidenheit statt «Glanz und Gloria»

Das zweitägige Seminar soll in einer Oase der Stille allen Teilnehmenden aus Natur- und Geisteswissenschaften, Medizin, Jurisprudenz und Theologie die Gelegenheit geben, in gemeinsamem Diskurs über das genannte Thema nachzudenken. Das Seminar wird vom 18. bis 19. Juni 2027 im Kloster Dornach stattfinden.

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Neuer Zyklus: Humilitas.

Bescheidenheit statt «Glanz und Gloria»

Isidor von Sevilla hat die Etymologie der Humilitas treffend umschrieben und damit auch ihr innerstes Wesen umrissen: «Humilis bedeutet, sich sozusagen an den Humus anzulehnen», mit anderen Worten: derjenige, der Humilitas ausübt, nimmt sich selbst zurück. Joseph Groner OP bemerkt dazu, die Humilitas sei keine Selbstvernichtungstugend, sondern sie bezeichne den Willen, weder geltungssüchtig über sich hinauszugreifen noch sich unnötig kleinzumachen. Entscheidend sei, das eigene Mass und die eigenen Möglichkeiten realistisch zu bedenken. In diesem Sinne ist die gängige Übersetzung mit «Demut» mangelhaft. Begriffe wie «Bescheidenheit», «Einfachheit», «Schlichtheit», «Zurückhaltung», «Respekt/Achtung/Anerkennung zollen» treffen den Kern weit besser, da sie besonders die soziale Dimension des Begriffes mitbedenken. Im Neuen Testament kommt der Humilitas grosse Bedeutung zu. Nicht nur in der Person Christi selbst, sondern etwa auch im Magnificat. Dort formuliert Maria in der lateinischen Fassung: Quia respexit humilitatem ancillae suae. Gemeinhin wird dies mit «Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut» wiedergegeben. Korrekter wäre jedoch: «Denn er hat ja die Bescheidenheit seiner Magd geachtet.» Thomas von Aquin ordnet die Tugenden in eine strenge Hierarchie ein. An der Spitze stehen die vier Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Tapferkeit, Klugheit und Mässigung (temperantia). Der Mässigung ist die Humilitas als Tugend zu- und nachgeordnet.

Im anstehenden Zyklus steht also eine Tugend im Mittelpunkt, die in jüngster Zeit eine überraschende Aktualität gewonnen hat, nicht zuletzt durch die Worte des amtierenden Papstes Leos XIV.

† Urs Breitenstein

Die Aeneas-Silvius-Stiftung trauert um Urs Breitenstein. Er hat den Stiftungsrat von 2006-2019 präsidiert und die Stiftung massgeblich geprägt. Ihre heutige Form ist im Wesentlichen ihm zu verdanken.