Schlussveranstaltung des Zyklus «Endlichkeit und Unendlichkeit»

Dienstag, den 14. Juni 2022, 18.15 Uhr
Zeit und Ort werden noch bekanntgegeben

DAHIN UND EBEN DOCH NICHT DAHIN

Ein paar Gedanken über Endliches und Unendliches in der Musik

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Tim Kammasch und Prof. Dr. Axel Christoph Gampp

Reto Bieri, Klarinettist, Professor für Kammermusik an der Hochschule für Musik und Tanz in München

«Dass du nicht enden kannst, das macht dich gross, Und dass du nie beginnst, das ist dein
Los. Dein Lied ist drehend wie das Sterngewölbe, Anfang und Ende immerfort dasselbe,
Und was die Mitte bringt, ist offenbar Das, was zu Ende bleibt und Anfangs war.»

Johann Wolfgang von Goethe: West-Östlicher Divan

«Alles beginnt stets damit, dass ich mich als Musiker mit den Anfängen und den Enden beschäftige. Der Ton kommt, er artikuliert sich, und der Wind trägt ihn weg. Seine natürliche Tendenz ist das Verschwinden. Ich beginne mit einem Musikstück, es wird Form, ich kann es erkennen, ich kann es vermessen, und dann endet das Stück wieder. Seine natürliche Tendenz ist das Vergehen. Alles, was ich mir tagtäglich erspiele, kommt und geht und stirbt ab und entschwindet und kommt wieder und geht wieder und stirbt wieder ab. Doch ab und an bleibt in mir etwas hängen wie in einem Sieb. Dann frage ich mich: sind die stärksten Momente in der Musik nicht jene, die aus diesem Sieb aufsteigen, weil das Abgelebte, das Entschwundene, das Unwiederbringliche unwillkürlich einen abendlichen Glanz erhält? Richtet sich Musik letztlich nicht gegen das Verfliessen, gegen das Kommen und Gehen, obschon sie gerade von diesem Phänomen fasziniert ist?»

Oder anders gefragt: «Kann ich mich mit Hilfe von Musik zum Unendlichen in Beziehung setzen, ohne mich je von der konkreten Endlichkeit abzuwenden?»